If— in German
- Wenn, by Anja Hauptmann and Suzanne Doucet
- Wenn ....., by Anja Hauptmann
- Wenn, by Lothar Sauer in 1960
- If / Wenn, by Izzy Cartwell in 2009
- Wenn..., by Christian Rieseneder in 2012
Wenn
- Wenn du den Kopf behältst und alle anderen
- verlieren ihn und sagen: Du bist schuld!
- Wenn keiner dir mehr glaubt, nur du vertraust dir
- und du erträgst ihr Misstrauen in Geduld
-
- Und wenn du warten kannst und wirst nicht müde
- und die dich hassen dennoch weiter liebst,
- die dich belügen strafst du nicht mit Lüge
- und dich trotz Weisheit nicht zu weise gibst
-
- Wenn du dich nicht verlierst in deinen Träumen
- und du nicht ziellos wirst in deinem Geist
- wenn du Triumph und Niederlage hinnimmst,
- beide Betrüger gleich willkommen heißt
-
- Wenn du die Wahrheit die du mal gesprochen
- aus Narrenmäulern umgedreht vernimmst
- und siehst dein Lebenswerk vor dir zerbrochen
- und niederkniest, wenn du es neu beginnst
-
- Setzt du deinen Gewinn auf eine Karte
- und bist nicht traurig, wenn du ihn verlierst
- und du beginnst noch einmal ganz von vorne
- und sagst kein Wort was du dabei riskierst
-
- Wenn du dein Herz bezwingst und alle Sinne
- nur das zu tun was du von dir verlangst
- auch wenn du glaubst es gibt nicht mehr da drinnen
- außer dem Willen, der dir sagt: Du kannst!
-
- Wenn dich die Menge liebt und du noch du bleibst
- wenn du den König und den Bettler ehrst
- wenn dich nicht Feind noch Freund verletzen können
- und du die Hilfe niemanden verwehrst
-
- Wenn du in unverzeihlicher Minute
- Sechzig Minuten lang verzeihen kannst:
- Dein ist die Welt—und alles was darin ist—
- Und was noch mehr ist—dann bist du ein Mensch!
Translated by Anja Hauptmann, German writer, and granddaughter of Gerhart Hauptmann, winner of the Nobel Prize in Literature in 1912; sung by
Suzanne Doucet.
Wenn .....
- Wenn Du beharrst, da alle um Dich zagen
- Und legen ihren Kleinmut Dir zur Last,
- Vertrau'n zu Dir bewahrst, da and're Dir's versagen,
- Doch auch Verständnis für ihr Zweifeln hast;
- Wenn Du zu warten weisst und bleibst gelassen,
- Betrogen, fern Dich hältst von dem Betrug,
- Wenn Du, gehasst, Dich hütest mitzuhassen
- Und doch zu gut nicht scheinst noch sprichst zu klug:
-
- Wenn träumend Du nicht sinkst im Traumes-Sumpfe
- Und denkend Denken nicht zum Ziel Dir machst,
- Wenn Du begegnend Unglück und Triumphe
- Die zwei Betrüger gleicherweis' verlachst;
- Wenn Du die Wahrheit, die Du sprachst, kannst hören
- Von Buben frech zum Narrenfang verdreht,
- Kannst zuschau'n, wie sie, was Du schufst zerstören,
- Dich beugst und baust, bis es von neuem steht:
-
- Wenn Du vermagst, was Du nur hast, zu raffen,
- Und legst auf eine Karte alles hin,
- Verlierst—und fängst von vorne an zu schaffen
- Und wirst dabei die Miene nicht verzieh'n;
- Wenn Du das Herz, die Nerven und die Sehnen,
- Zum Dienst zwingst, da sie letzte Kraft verlässt,
- Dastehst mit hart zusamm' gebiss'nen Zähnen,
- Wenn nichts, als nur der Wille sagt: Steh fest! Steh fest!
-
- Wenn Du dem Volke reinen Wein kannst schenken,
- Mit Königen in schlichtem Umgang steh'n,
- Wenn weder Feind Dich kann noch Freund Dich kränken,
- Wenn alle nah, doch nicht zu nah Dir geh'n;
- Wenn jede Stund' erfüllst mit ihrem Werte,
- Dass keine je vergeblich Dir zerrann:
- Dein ist mit allem, was sie trägt, die Erde
- Und—noch mehr als das—Du bist ein Mann!
- Du bist ein Mann, mein Sohn!—
Wenn
- Wenn Du den Kopf bewahrst, da rings die Massen
- Längst kopflos sind und geben Dir die Schuld;
- Dir treu sein kannst, wenn alle dich verlassen,
- Und siehst ihr Wanken dennoch mit Geduld;
- Kannst warten Du und langes Warten tragen;
- Läßt Dich mit Lügnern nie auf Lügen ein;
- Kannst Du dem Hasser Deinen Haß versagen
- Und doch dem Unrecht unversöhnlich sein;
-
- wenn Du kannst träumen, doch kein Träumer werden;
- Nachdenken—und trotzdem kein Grübler sein;
- wenn Dich Triumph und Sturz nicht mehr gefährden,
- Weil beide Du als Schwindler kennst, als Schein;
- Kannst Du die Wahrheit sehn, die Du gesprochen,
- Verdreht als Köder für den Pöbelhauf;
- Siehst Du als Greis Dein Lebenswerk zerbrochen
- Und baust mit letzter Kraft es wieder auf;
-
- wenn Du auf eines Loses Wurf kannst wagen
- Die Summe dessen, was Du je gewannst,
- Es ganz verlieren, und nicht darum klagen,
- nur wortlos ganz von vorn beginnen kannst;
- wenn Du, ob Herz und Sehne längst erkaltet,
- Sie noch zu Deinem Dienst zu zwingen weißt
- Und durchhältst, auch wenn nichts mehr in Dir waltet
- Als nur Dein Wille, der “Durchhalten” heißt;
-
- Kannst Du zum Volke ohne Plumpheit sprechen,
- Und im Verkehr mit Großen bleibst Du schlicht;
- Läßt Du Dich nicht von Freund und Feind bestechen,
- Schätzt Du den Menschen, überschätzt ihn nicht;
- Füllst jede unerbittliche Minute
- Mit sechzig sinnvollen Sekunden an;
- Dein ist die Erde dann mit allem Gute,
- Und was noch mehr, mein Sohn: Du bist ein Mann!
- Wenn du den Kopf bewahrst, ob rings die Massen
- Ihn auch verlieren und nach Opfern schrein;
- Dir treu sein kannst, wenn alle dich verlassen,
- Und dennoch ihren Wankelmut verzeih'n;
If / Wenn
- Wenn du den Kopf behältst, falls sie dich rügen
- Dafür, dass sie verlor'n ihr eig'nes Haupt,
- Wenn alle zweifeln, lässt du dich nicht trügen,
- Und gibst noch zu, ihr Zweifel sei erlaubt,
-
- Wenn warten kannst du, ohne zu erlahmen,
- Und Lug verdammst, auch wenn man dich belügt,
- Wenn man dich hasst, du ablehnst, nachzuahmen,
- Und wenn bescheid'ne Weisheit dir genügt,
-
- Wenn deine kühnsten Träume dich nicht binden,
- Wenn dein Gedanke nicht zum Selbstzweck wächst,
- Wenn kannst du dich mit Sieg und Sturz abfinden,
- Und beide Schwindler gleichermaßen deckst,
-
- Wenn du erträgst das Wort, das du gesprochen,
- Verzerrt vom Schuft, um Narr'n zu irritier'n,
- Und einsteckst, wenn du siehst dein Werk zerbrochen,
- Und baust es auf von vorn auf allen Vier'n,
-
- Wenn du den ganzen Haufen an Gewinnen
- Beim simplen Münzwurf zu verspiel'n riskierst,
- Dabei bereit, von Null an zu beginnen,
- Und nicht ein Wort über dein Pech verlierst,
-
- Wenn Herz und Nerv und Sehne kannst du zwingen
- Dir noch zu dienen, wenn sie längst verweht,
- Damit du stehst, wenn Risse dich durchdringen,
- Und bloß dein Wille ihnen vorschreibt: “Steht!”
-
- Wenn du mit Sitte sprichst zu Menschenheeren,
- Und vor dem König bleibst dem Volk loyal,
- Wenn weder Feind noch Freund kann dich versehren,
- Wenn man dich hoch schätzt, doch nicht kolossal,
-
- Wenn du erfüllst die herzlose Minute
- Mit tiefstem Sinn, empfange deinen Lohn:
- Dein ist die Welt mit jedem Attribute,
- Und mehr noch: dann bist du ein Mensch, mein Sohn!
Translated by Izzy Cartwell, 13 September 2009, also at
wachtang.de.
Wenn...
- Wenn du den Kopf behältst, wo ihn verlieren
- sonst alle, und noch geben dir die Schuld;
- glaubst du an dich, wo Zweifler an dir rühren,
- und wägst doch ihre Zweifel mit Geduld;
- Kannst du auch längstes Warten leicht ertragen,
- als Lügenopfer treu der Wahrheit sein,
- von Hass getroffen, selbst dem Hass entsagen,
- und stellst doch nicht zuoberst edlen Schein;
-
- Wenn Träume dir sind Flügel und nicht Fesseln,
- Gedanken dir sind Wegweiser, nicht Ziel;
- kennst Siegeslorbeer und Fiaskos Nesseln,
- und gibst auf beide Blender doch nicht viel;
- Erträgst du, wenn das Wort, das du gesprochen,
- ward hinterlist’ger Wortverdrehung Raub,
- und du des Herzbluts Werke siehst zerbrochen,
- und kniest, sie neu zu bau’n, dich in den Staub;
-
- Wenn du, im Spiel Fortunas zu gewinnen,
- dein ganzes Hab auf einmal setzen musst,
- und du verlierst, ziehst los, neu zu beginnen,
- und jammerst nicht ein Wort zu dem Verlust;
- Und hältst du Stand, wenn Kopf und Kreuz und Beine
- und Herz schon liegen regungslos im Sand,
- bringst sie empor, da aufrecht noch alleine
- dein Wille steht und flüstert: “Haltet Stand!”
-
- Wenn Pöbel kann dir nicht die Tugend senken,
- und Königsgunst lässt deinen Stolz im Lot;
- kann weder Feind, noch bester Freund dich kränken,
- zeigst jedem du Respekt, doch nie devot;
- Füllst du in jede fordernde Minute
- Sekunden nur mit einem Scherflein Lohn,
- ist dein die Welt, und in ihr all das Gute,
- doch mehr noch zählt: Du bist ein Mann, mein Sohn!
Translated by Christian Rieseneder, 2012, previously published in Austrian Mensa magazine.
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